Was
bringt eine Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung?
Eine professionell durchgeführte Berufs-, Studien- und
Laufbahnberatung gibt Ihnen eine Hilfe für Ihre Anliegen. Häufige Anliegen
sind:
- geeignete berufliche Lösung erarbeiten
- geeignete Weiterbildungsmöglichkeiten erarbeiten
- berufliche Fähigkeiten und Interessen erfahren
- die nächsten Schritte planen
- Abklärung von Voraussetzungen
- private Probleme besprechen
- Ziele finden
- Vor- und Nachteile verschiedener Entscheidungsmöglichkeiten besprechen
- Unterstützung bei der Stellensuche
- Berufsinformationen besprechen.
Wie
funktioniert eine Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung?
Je nach Beratungsperson unterscheidet sich das
Beratungsmodell und damit die Beratung. Eine professionelle Berufs- und
Laufbahnberatung sollte aber folgende Themen berücksichtigen: Eine Persönlichkeitsanalyse
(v.a. der Interessen und Fähigkeiten), eine Analyse der Berufswelt (oft
durch Berufsinformationen) und die Besprechung der optimalen Zuordnung der
eigenen Person zu Beruf oder Arbeitsstelle. Wichtigste Hilfsmittel sind das
Gespräch, psychologische Tests und Informationsmittel.
Wie
sieht Ihre „Beratungsphilosophie“ aus?
Bei
meinem Beratungsmodell stütze ich mich auf wissenschaftliche und empirisch überprüfte
Theorien. Dies sind Theorien, die ihre Behauptungen belegen können.
Wichtige Punkte meiner Beratung sind das Einführungsgespräch (z.B. mit Besprechung der Anliegen und der
Biographie), die Anwendung von Interessen-, Persönlichkeits- und Leistungstests
sowie die Besprechung konkreter Lösungsvorschläge (z.B. Besprechung von
Berufslisten und Berufsinformationen, Anwendung von Entscheidungsmodellen).
Zu
meinen Beratungsgrundsätzen gehören Respekt, Unterstützung, positive Wertschätzung
und Entscheidungsfreiheit. Die Entscheidung fällt die ratsuchende Person, nicht
ich. Ich kann aber wichtige Informationen und Impulse für eine gute
Entscheidung geben. Hauptziele der Beratung sind Zufriedenheit mit der
Beratung und eine Berufsentscheidung, die auf wohldurchdachten und vernünftigen
überlegungen beruhen.
Nachfolgende Abbildung fasst die wichtigsten Teile des Beratungskonzeptes
und der Anwendung zusammen.
© D. Jungo
Wann benötige
ich eine Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung?
Wenn Sie in Zukunft eine berufliche Entscheidung
treffen wollen oder müssen und Sie sind sich unsicher oder denken, dass Sie
unklug entscheiden könnten, ist eine Beratung sinnvoll. Wichtige Faktoren für
eine unkluge Berufseinscheidung sind beispielsweise Unklarheiten bei der
Eignung und den Interessen oder ungenügende Informiertheit über Berufe und
Ausbildungen.
Wieso
ist „wissenschaftlich“ wichtig für eine Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung?
In der
Alltagswelt funktionieren wir alle mit Theorien. Wir haben beispielsweise
bestimmte Vorstellungen über Menschen mit blauen Augen oder schwarzen Haaren.
Auch hinsichtlich einer „richtigen“ Berufswahl haben wir verschiedene
Vorstellungen. Einige Personen denken vielleicht, dass ein Spontanentscheid oder
die Meinung von Bekannten für die
Berufsentscheidung wichtig sei. Obwohl viele Aspekte solcher
Alltagstheorien einen Kern Wahrheit enthalten, sind sie für Berufsentscheidungen
ungenügend, denn sie sind – obwohl plausibel – in vielen Teilen oft falsch.
Wissenschaftlich überprüfte Theorien, Konzepte und Tests hingegen sind ein
deutlich besserer Boden für eine kluge Berufsentscheidung, denn sie können ihre Behauptungen
wie beispielsweise den Zusammenhang mit Berufszufriedenheit oder
Berufserfolg belegen.
Ich
kann mir eine Beratung noch nicht so „plastisch“ vorstellen, haben Sie ein
Beispiel?
Sicher, aber gewisse Elemente fehlen, um die Anonymität der
ratsuchenden Person zu gewährleisten. Es handelt sich um eine Beratung
eines Mittelschülers, nennen wir ihn Fritz.
Fritz kam in die Beratung,
weil er nicht wusste, ob er nach der Matura ein Studium ergreifen oder eine
alternative Ausbildung ins Auge fassen soll. Als Studienfach kann er sich
Medizin und als alternative, nichtakademische Möglichkeiten kann er
sich die Berufsfelder Grafik und Fotografie vorstellen.
In der Beratung soll das Ausbildungsziel geklärt werden, indem Fritz mehr
Klarheit und Sicherheit bezüglich der eigenen Interessen erlangt und indem er
sich aktiv mit verschiedenen Informationsmitteln auseinandersetzt. Im Verlauf
des Beratungsgesprächs und aufgrund verschiedener Testergebnisse zeigt sich,
dass Fritz ein hohes soziales, aber auch künstlerisches und forschendes
Interesse besitzt.
Eine zusammengestellte Berufsliste, die mit seinen Interessen
übereinstimmen enthält beispielsweise Krankenpfleger, ein Psychologiestudium,
Sozialpädagoge, Sozialarbeiter oder ein Medizinstudium. Aus den Möglichkeiten
der Berufsliste soll Fritz Berufe und Ausbildungen auswählen und sich mit
verschiedenen Informationsmittel zu bestimmten Berufen und Alternativen
informieren. Meine beraterische Haltung ermutigt ihn, selbständig zu
explorieren, ohne dass die Begleitung fehlt. Ausserdem werden seine Wahlen von
Informationsmitteln nicht kritisiert, sondern mit positiven Bewertungen unterstützt.
Dies bedeutet aber nicht, dass Ungereimtheiten unreflektiert bleiben und nicht
ausgedrückt werden. Beispielsweise werden die Erfahrungen von Praktika und
externen Gesprächen in der Beratung thematisiert und kritisch reflektiert.
Am
Schluss dieses Beratungsprozesses kristallisieren sich zwei Wege heraus. Fritz
entscheidet, sich für die Aufnahmeprüfung in Physiotherapie anzumelden. Je
nachdem, ob er die Physiotherapieschule beginnen kann, wird er diesen Berufsweg
einschlagen oder bei Nichtbestehen der Prüfung ein Medizinstudium beginnen. Am
Schluss der Beratung sagt Fritz, dass er mit der Beratung und mit seiner
Entscheidung sehr zufrieden sei. Auf die Beratung zurückblickend erwähnt er,
dass ihm durch den erfahrenen Prozess seine Interessen klarer geworden seien und
dass ihm sein Weg durch die Unterstützung eines unabhängigen Beraters bestätigt
worden sei. Er hat einen Orientierungsfaden gefunden und ist sich durch das
Festlegen des Spektrums sicherer geworden. Er wusste vor der Beratung nicht
genau, welchen Berufsweg er einschlagen sollte. Durch ein besseres Kennenlernen
seiner Interessen und Bedürfnisse sowie durch Informationen verschiedener
Personen (Freunde, Bekannte, Berufstätige) und Informationsmittel
(Informationsmappe, Bücher, Veranstaltungen) über Tätigkeiten und
Ausbildungen der potentiellen Berufe kann seine Entscheidungsstrategie als klug
und geplant bezeichnet werden.
Ich möchte
noch mehr zu diesem Thema erfahren, haben Sie Literatur zum Thema?
Im deutschsprachigen Raum sind vor allem diese Bücher
relevant:
Brown, D. & Brooks, L. (Hrsg.). (1994). Karriere-Entwicklung. Stuttgart: Klett-Cotta.
Busshoff, L. (1984). Berufswahltheorien und ihre Bedeutung für die Praxis
der Berufsberatung. Stuttgart. Kohlhammer.
Zihlmann, R. (2009). Berufswahlbuch mit Berufswahlkompass. Zürich:
sabe.
Zihlmann, R. (1998). Berufswahl in Theorie und Praxis. Zürich: sabe.